Duisburg, DGB-Haus (Franz-Wieber-Saal) |
Stapeltor 17-19 | 19:30 Uhr
ReferentIn: Dr. Jürgen Glaubitz, Lothar Galow-Bergemann
Ich nehme mal an, dass der Ursprung dieser Veranstaltung auf die Broschüre von Ver.di “Finazkapitalismus – Geldgier in Reinkultur” zurückgeht. <spur> Auslöser für die Broschüre wiederum – so nehme ich ebenfalls an – ist der von Müntefering im April 2005 geäußerte Vergleich von Finanzkapital und Heuschrecken. Das Bild ist einfach, der Subtext verlangt da schon mehr vom Hörer/Leser.
Das Kapital wird analytisch zerlegt in ein Finanzkapital, welches schlecht ist und als das Übel ausgemacht wird und einem ich nenne es einmal Investitionskapital das gut ist. Zwar wird dass von Müntefering und Ver.di nicht genannt muss aber logisch mitgedacht werden, denn sonst bräuchte man nicht die Kategorisierung. Mit dem Begriff “Heuschreckenplage” und dem Schwarm Heuschrecken auf dem Cover der Ver.di Broschüre wird ein altes Bild provoziert, die Heuschrecken die alles leer Räumen, raffen und gierig sind, kurz unverantwortlich gegenüber “Volksgemeinschaft” sind, weil sie nur an ihrem eigenen Wohl interessiert sind. Auf der anderen Seite das Investionskapital, dass Arbeitsplätze schafft, Wohlstand bringt und auch sonst ganz fluffig für das Gemeinwohl zu sein scheint. Klassisch nimmt “der Jude” die Stellung des raffenden an. “Der Jude” der um das goldene Kalb tanzt ist wohl eines der weit verbreiteten Klischees. So war für Carl Schmitt “der Jude” deshalb schon untypisch Deutsch weil er seiner Meinung nach keine Werte schafft, sondern Gelder rafft.
Dieses Vorurteil und antisemitische Stereotype ist kein Phänomen welches auf den deutschen Sprachraum begrenzt war bzw. ist. Ein Blick in den Roman von Emile Zola L’argent zeigt uns den Protagonisten Saccard den Spekulanten. Gier und Intrigen, Fallen stellen und den eigenen Egoismus nachstellend, so wird Saccard beschrieben. Zola zeichnet die ganze Welt der Börse in eine raffende geldgierige Veranstaltung die nichts außer die Mehrung des Geldes kennt. Bei Zola sind es immer Menschen mit schlimmen, bösen Charakterzügen die die Welt der Börse bestimmen. Keine andere Leidenschaft als die Mehrung des eigenen Geldes umtreibt Saccard. Es muss nicht groß erwähnt werden, dass der Bankier Rothschild als Vorlage für Zolas Saccard herhalten musste.
Die Schilderung bei Zola entspricht keiner Realität sie ist reiner Diskurs und mit Lacan gesprochen könnte man sagen, dass es nicht nur Saccard nicht gibt, sondern auch Rothschild nicht existiert. Es gibt diese Verdichtung in der Schilderung eines Romans nicht. Die Welt und das Leben ist unendlich viel komplexer. Was aber neben den antisemitischen Implikationen hier noch greift ist, dass das Kapital nach verschiedenen Regeln operieren soll. Als ob das Kapital schon jemals anders Verfahren wäre als Geld zu akkumulieren. An dieser Stelle, sollte ich noch einmal daran erinnern, dass das Kapital der sich selbst verwertende Wert darstellt und immer im Verhältnis zu denken ist. Es scheint als ob bei Münte und Ver.di dem Kapital nicht selbst schon in seinen Grundkategorien ein Webfehler mit auf dem Weg gegeben worden ist. Prügelknabe ist das Finazkapital in dem man das Übel ausgemacht hat. Könnte man diesem Übel nur beikommen, würde auch alles weiter gut Funktionieren. Es handelt sich hier sicher nicht um eine fundierte Analyse des Kapitals, sondern um verführerische Rhetorik und die Reduzierung komplexer Verhältnisse auf vermeintlich einfache Ursachen und Personen. Münte ist kein Nazi wie Wolffsohn meint, er spielt zwar mit antisemitischen Stereotypen im Sinne eines existierenden raffenden Kapitals ebenso wie es das Cover der Ver.di-Broschüre suggeriert - aber – Der Mechanismus einfache Lösungen und Prügelknaben zu suchen auf die man seinen ganzen Hass projizieren kann ist eben nicht nur den Nazis vorbehalten, sondern transzendiert über diese hinaus.
Oliver Opitz
Zum Veranstaltungshinweis <hier>. Und ich freu mich schon zu hören, was die Referenten zum Thema beitragen werden.