Kritik am Kapital? – Aber bitte mit Sahne.

Überlegungen zur Demo in Essen am9.2.08

Kritik am Kapitalismus ist sicherlich richtig zumal uns das Kapital in seiner Aufdringlichkeit schon nötigt, nicht nur zu kritisieren, sondern sich der Aufdringlichkeit zu erwehren. Das Kapital ist sozusagen das Aufdringlichste unserer Zeit, dass es nicht nur zu bedenken gilt – Ein Verhältnis.

Eine Demonstration gegen den Kapitalismus wird dann doch noch von einer hochschulpolitischen Gruppe auf ihrer Homepage angekündigt. <spur> unter dem Motto: Durchleuchte das System wird für den 9.2.08 nach Essen HBF, um 12.00 Uhr mobilisiert. <spur>

Organisator der Demonstration dürfte neben der Roten Antifa Duisburg/Düsseldorf noch die Rote Antifa [Essen] (Angry Goats) und das Netzwerk-gegen-Rechts <spur> aus Duisburg sein. Spätestens an dieser Stelle stellt sich die Frage wie tief die Durchleuchtung des Systems den gehen soll? Die Theorieproduktion aus diesen Kreisen beschränkt sich auf einen Vulgärmarxismus[1] flankiert mit einem 70er Jahre Antiimperialismus. Mit dem Instrumentarium wird man dem Kapitalismus nicht einmal auf das Äußere schauen können, geschweige denn durchleuchten, wenn ich mal in der Metapher mitschwingen darf.

Nachtrag vom 29.01.08
[wie mir von Seiten des initiativ e.V. gesagt wurde, ist der initiativ e.V. nicht an der Organisation der Demo beteiligt und würde den Aufruf auch nicht unterstützen. Ebenso soll auch das Netzwerk gegen Rechts nichts mit der Organisation zu tun haben. Allerdings steht der Aufruf als Text auf der Homepage des Netzwerk gegen Rechts und dies nicht zu dokumentationszwecken.]

Vielleicht ist das auch die Antwort warum der Aufruf sich auf den Satz: Die einen bekommen immer weniger, die anderen immer mehr, reduzieren lässt. Das sich aus der Metapher eines Kulturindustrieprodukts bedient wird, um das zu Versinnbildlichen was man selbst nicht in Worte kleine kann, überrascht nicht. Nimmst du die blaue Nato-Pille schließen sich die Augen und du träumst von Steak und Erfolg. Oder du nimmst die rote UdSSR-Pille und die Augen werden dir geöffnet und du stehst im Dreck den du gemeinsam mit den Rittern der Tafelrunde aufzubauen hast. Verblendungszusammenhang hin oder her, dass es so einfach nicht geht und die kapitalistische Gesamtscheiße dadurch nicht überwunden werden dürfte müsste selbst den Verfassern des Textes klar sein. Billige Metaphern waren schon immer das Opium fürs Volk.

Aktionismus ohne Programm und die Frage stellt sich, warum Mensch sich auf einer solchen Demo blicken lassen sollte? Ich werde allein schon deshalb auftauchen, weil ich mal sehen will wie nachhaltig das Verbot durchgehalten werden wird keine „nationale Symbolik“ auf der Demonstration zu dulden. Ich werde also gespannt mit meiner Kamera vor Ort sein und zuschauen wie die Veranstalter dem Initiativ e.V. ihr Material abnehmen.

Zurück zur Universität. Das von der AL – und hier zeichnet Sven Nauermann und Patrick Hintze verantwortlich – für diese Demonstration werben, lässt die Richtung in der die AL zu verorten ist ganz gut einschätzen. Aus unserer eigenen Analyse wünschen wir uns aus dem studentischen Milieu allerdings eine etwas differenzierte und eine weniger verkürzte Kapitalismuskritik.

Wir würden uns wünschen, wenn diejenigen, die mit uns zusammenarbeiten einen eher emanzipatorischen Ansatz verfolgen. Unser Kapital an Kritik ist die Kritik am Kapital.

Für den sds[du/e] Oliver Opitz



[1] Weil Kapital und Staat in eins gesetzt wird.

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